Jazzwoche. Burghausen. Das zweite Mal dort – nach dem furiosen Konzert von Trombone Shorty im vergangenen Jahr. Wenig Zeit, weil andere Pflichten. Aber ein bisschen was muss sein. Ganz oben auf der Liste: Marcus Miller. Weil ich ihn noch nie auf der Bühne gehört habe, weil er eine umwerfende Energie ausstrahlt, weil er eine 1a-Vergangenheit hat (Miles Davis und von dem abwärts alle Größen der 80er und 90er).
Wie im vergangenen Jahr: Doppelkonzert abends in der Wacker-Belegschaftshalle. (Überhaupt scheint die Burghausener Jazzwoche aus einer jährlichen Wiederholung des Gewohnten zu bestehen: Vor jedem Konzert tritt Guru Joe Viera auf die Bühne und kündigt die Musiker an, das Bühnen-Design ist gleich, die Ess- und Trinkstände mit demselben Angebot und fast denselben Verkäuferinnen stehen an derselben Stelle, der Jingle, der die Besucher zu den Plätzen bittet, ist identisch, etc. etc. Same procedure as every year, nur die Besetzungen auf der Bühne ändern sich). Marcus Miller ist mit Trompeter und Keyboarder Nicholas Payton zusammengespannt. Zum Glück müssen Payton und seine Gruppe zuerst ran (zum Glück, weil: wenn Miller zuerst gespielt hätte, wäre der Absturz brutal gewesen). Sie spielen technisch hervorragend, aber sehr sehr soft mit fast schnulzigen Gesangsstücken, zwischendurch schlafen mir nicht nur die Füße ein. Na gut, gibt nicht nur Highlights. Freundlicher Beifall, dann Umbau-Pause.
Und in der Pause entdecke ich wieder, warum Burghausen so einen Charme hat: neben einer ganzen Reihe Musiker aus München und sonstwoher (Servus Frau Lottermoser!) entecke ich auch die fast komplette All-Star-Crew, die am Abend vorher in einem umjubelten Konzert auf derselben Bühne stand. Randy Brecker, Abraham Laboriel, Nathan Davis und Claus Reichstaller wollen sich den Bass-Meister anhören und sitzen eher unauffällig in Reihe 15, sind ansprechbar, witzig und fast redselig. Kontakt mir den Stars: kein Problem in der oberbayerischen Kleinstadt.
Und als Miller dann auf der Bühne steht, begleitet von vier jungen Mitspielern, ist mir beim ersten Stück klar, warum andere Profis ihn live hören wollen: Da spielt einer in seiner ganz eigenen Liga. Der Bass knallt, es funkt und groovt, aber nicht sinnfrei mit Dauer-Vollgas, sondern zwischendurch fast lyrisch, sehr zurückgenommen, oft im Duett mit Saxophon oder dem Schlagzeug. Aber Bass ist eben Bass, da reicht es, wenn Marcus Miller zwei, drei Töne hart und funkig anschlägt und schon dreht die Halle ab. Das Publikum (wie gewohnt im Schnitt deutlich über 50) geht ungebremst mit und je länger es dauert, immer mehr aus sich raus. Grundseriöse Menschen kurz vor der Extase – sieht man auch nicht jeden Abend (will man ehrlicherweise auch nicht).
Nochmal Glück: Die Mitmusiker – alles junge Burschen und mir völlig unbekannt – gehen auf Millers Level mit und ergänzen sein Bass-Spiel perfekt. Alex Han-sax, Sean Jones-tp, Louis Cato-dr, Federico Gonzalez Pena-key, sind alle Musiker der Extraklasse und so jung, dass man kaum glauben mag, was sie schon können.
Der Meister, der eh ein freundlicher Mensch ist, erzählt zwischendurch kleine unterhaltsame Geschichten, in denen immer wieder Miles Davis auftaucht. Sicher auch, weil er im vergangenen Jahr das Album “Tutu“, das er 1986 für Davis produziert hat, neu herausgebrachte (und von dem die meisten Stücke des Abends stammen). Aber auch, weil Miles einen enormen Einfluss auf sein Spiel und sein ganzes Leben hatte.
Dann ist Schluss, noch eine umjubelte Zugabe (die Konzerte in der Wackerhalle sind alle eher kurz gehalten, die Leute sind müde und wollen nach Hause), Abmarsch zurück in die Burghausener Altstadt.
Und dann habe ich noch mein kleines Burghausener Extra-Erlebnis und deswegen schreibe ich das Ganze hier eigentlich.
Weil der Abend irgendwie noch nicht rum ist, geht der Musik-Freund in den Jazzkeller. Der ist wirklich ein Keller mit Bühne, die Getränke holt man sich an der Bar und hört “Phronesis” zu, die dort während der Jazzwoche mit wechselnden Begleitmusikern spielen (am Abend vorher übrigens mit einem unglaublichen Marius Neset am Saxophon). Und während ich da sitze und die Atmo mitnehme und der Kopf auch schwerer wird, tauchen Drei von dem Miller-Auftritt dort auf: Drummer, Trompeter und Saxophonist. Entspannt, Witze machend, im Chill-Modus. Und irgendwie kommen sie dann mit auf die Bühne, kurzes Durcheinander, alles sortiert sich neu, Handzeichen und los geht’s. So schön, so intensiv. Alex Han am Alt-Saxophon und besonders Sean Jones an der Trompete zeigen viel mehr als vorher mit Marcus Miller. Sie spielen ihr Zeug auf ihre Art und das passt so wunderbar in das Kellerambiente, dass ziemlich schnell klar ist: Sternstunde. Gebannte, euphorische Zuhörer, keinerlei Müdigkeit mehr, ein gegenseitiges Hochschaukeln, ungebremster Spaß und sehr konzentrierte Spielfreude. Genau das ist es, was man so sucht.
Und irgendwann ziemlich spät dann doch selig ins Hotel.
Am nächsten morgen noch eine kleine Burghausen-Geschichte: Im Lokalteil des Burghauser Anzeiger finde ich eine schöne Geschichte über eine besondere Unterrichtsstunde im örtlichen Ku-Max-Gymnasium. Marcus Miller hatte sich am Vormittag des Konzerttages eine Stunde Zeit genommen, den Schülerinnen und Schülern der neunten bis zwölften Klasse aus seinem Leben zu erzählen und zwei Stücke zum besten zu geben. Kam natürlich gut an. That’s auch Jazzwoche.
Dann noch ein paar eher miese Bilder, aber besser als gar nix.
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Einmal im Jahr besucht mich mein Verein, morgen ist es wieder soweit: Um 20.15 Uhr spielt der FC St. Pauli in der Arena gegen die Löwen. Und es geht um richtig viel. Beide müssen gewinnen, St. Pauli, um oben dranzubleiben, die Löwen, um an die Aufstiegsplätze ranzukommen. Den Lauf haben zur Zeit die Löwen, fünf Siege hintereinander sind eine Marke, und entsprechend selbstbewusst bereiten sie sich vor. Außerdem fehlen bei Pauli Fabian Boll (fünfte Gelbe) und Lasse Sobiech (verletzt), und ob Marius Ebbers wieder dabei sein kann, ist ziemlich fraglich. Also eigentlich Vorteil Blau, aber entscheidend ist natürlich immer noch “auffm Platz” (um endlich mal wieder den großen Fußball-Philosophen Adi Preißler zu zitieren). Könnte ein schöner Kick werden, schaun mer mal.
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We are calling out to all of you who play the saxophone. If you want to get involved and be a part of the London 2012 Olympics and all its festivities, AND have the opportunity to play alongside world renowned saxophonist Andy Sheppard just keep on reading…
So beginnt ein Aufruf des englischen Saxophonisten Andy Sheppard, der 200 Saxophon-Spieler jeden Alters, aus möglichst allen Europäischen Ländern und mit unterschiedlichster Spielstärke sucht. Sie sollen beim London Festival am 21./22. Juli im Rahmen des BT River of Music, bzw. des Kulturprogramms der Olympischen Spiele auftreten. Mitmachen kann jeder, er/sie muss allerdings für Proben an Sonntagen im Juni und Juli dieses Jahres zur Verfügung stehen. Details siehe hier, die Bewerbungs-mail adresse lautet: claire.furlong@serious.org.uk
Und wie das aussieht und sich anhört, wenn 200 Saxophonisten gemeinsam losspielen, sieht man hier:
Very British!
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Das war mal wieder so ein Spontan-Besuch nach einer kleinen Notiz auf der Service Seite der Süddeutschen: Das Lutz Häfner Quartett im BR-Funkhaus, Studio 2. Ich war da noch nie, ich denke, die werden kein Mittelmaß auftreten lassen, da geh ich mal hin. Wie fast immer bin ich ein bisschen zu spät, die Türen sind schon zu (Rundfunkleute fangen ganz pünktlich an), aber ein freundlicher Türsteher schiebt mich in die Schleuse und beim ersten Applaus kann ich schnell rein ins Studio.
Erster Eindruck: Das hat fast was Sakrales. Deckenhöhe gefühlte acht Meter, null Deko, alles Funktion. Das Ergebnis: Ein Klang, wie ich ihn noch nirgendwo sonst gehört habe. Ich stehe ganz hinten mit ca 15 Meter Abstand zur Bühne, dazwischen vollbesetzte Tische – und jeder feinste Ton klingt, als würde er direkt neben mir gespielt. Eine Wohltat. Und dazu der herrliche 50er-Jahre-Spruch: “Bühne frei im Studio 2“.
Vorn die klassische Quartett-Besetzung: Schlagzeug (Paul Hochstätter), Bass (Christian Diener), Klavier (Rainer Böhm), Tenorsax (Lutz Häfner). Und die sind in schöner Spiel-Laune: Ein Querschnitt durchs Repertoire, das meiste von “Bar talk with Bela” und “RAL 3“, einer wunderbaren brasilianisch angehauchten Trio-CD (die ich mir später kaufen werde und die jetzt bei mir in Endlos-Schleife läuft).
Die Stücke: klassisch, perfekt dargeboten. Ein eher cooler Jazz, nie zu laut, nie zu schrill, manchmal ein bisschen Wohlfühl-Musik, aber das ist ja nichts Schlimmes. Spielen können alle vier alles, herausragend neben Häfner Pianist Rainer Böhm, den es oft nicht auf seinem Hocker hält, der die Musik sichtbar lebt. Das wird am deutlichsten bei der Zugabe, als Häfner und Böhm im Duett eine schön altmodische Schlagermelodie (Titel habe ich vergessen) zum Dahinsinken vortragen. Lutz Häfner mit sehr sehr viel Luft und Nebengeräuschen beim Spielen, aber das ist kalkuliert und passt und kommt natürlich fantastisch an.
Und das Ganze wird auch gesendet und zwar superschnell: Schon morgen, Freitag abend (2. März) , um 23.05 Uhr auf BR Klassik. Lohnt sich. Sicher.
Dann ist alles vorbei und ich stolpere gegen halb 11 mit einem leichten Hungergefühl raus und sehe gegenüber des Ausgangs: Salt Restaurant. Extravagante Typo, sieht einladend aus, noch gut besetzt. Ich denke, ein Glas Wein und eine Kleinigkeit sollten möglich sein, die Kellnerin ist zunächst sehr nett aber dann ein wenig verlegen, als sie nach Nachfrage in der Küche leider meint, nichts gehe mehr. Na gut, wollen wir die zahlreich versammelten Köche nicht stören. Wieder ein Laden, der von der Liste “da gehen wir abends mal in Ruhe hin” gestrichen wird, – schlendere ich halt rüber in die Bar des Anna Hotels, da krieg ich, was ich gern hätte, und der Sound ist sowieso besser.
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Nach längerer Zeit mal wieder was Eigenes (das klingt fast wie bei Loriot). Freimanner Klang, Probenwochenende, Freitag Abend, den ganzen Samstag und Sonntag auch noch drei Stunden. Diesmal nicht draußen in der niederbayerischen Pampa, sondern schön daheim im Übungsraum in der Hoffnungskirche – ist billiger, ist leichter zu organisieren, ist aber auch nicht so intensiv wie Wegfahren.
Das Sommerprogramm steht an. 17 Stücke auf der Liste, Dirigent Dirk Benkwitz hat wieder schön was zusammengetragen, das muss eingeübt werden.
Die Stücke sind erst mal ein wildes Kuddelmuddel: Over the Rainbow, der Toreador-Marsch aus “Carmen”, Annen-Polka, Love and marriage, das Harry-Lime-theme aus dem Dritten Mann, Always look at the bright side of life, The second waltz von Schostakovic, etc. etc. Ja, ja, ich weiß, das klingt alles eher einfach und vor allem völlig uncool, aber wir treffen uns ja auch nicht, um besonders hip oder trendig zu sein. Über 20 Hobby-Musiker dahin zu kriegen, dass sie irgendein Stück akzeptabel hinkriegen, ist so einfach nicht, und auf der anderen Seite macht es einfach saumäßigen Spaß, dazusitzen und zu versuchen, die Noten des Udo-Jürgens-Medleys zu kapieren und so zu spielen, dass es wie Udo Jürgens klingt.
Auf jeden Fall ist es für mich Grobmotoriker und Spärlich-Über höllisch anstrengend, da mitzukommen. Samstag abend, nach gefühlten acht Stunden Spielen, bin ich kaputter als nach drei Stunden Sport. Und heute, nach der Sonntags-Sause, geht auch nicht mehr viel – das heisst, so ein bisschen Udo-Jürgens-Extra-Schicht zu Hause ist schon noch drin. Man kommt ja aus dem Wochenende nicht raus und kann alles, sondern man kommt da raus und hat eine Ahnung, wie es klingen könnte. Und an welchen Stellen es noch gar nicht klingt. Aber erst mal brauche ich eine Stunde Tennis mit richtig Draufschlagen. Und dann eine Gehör-Spülung mit ein paar anderen Klängen.
In dem Fall als Instant-Sofort-Kur: Joe Bonamassa “Black Rock” (spielt übrigens am 3. 3. in der Muffathalle) und zum locker werden Panzerballett “Hart Genossen”.
Und das, woran wir so rumfummeln, gibt’s auch zu hören, nämlich am 16. 3. um 19.30 Uhr in der Mohr-Villa in der Situlistraße in Freimann.
Zu den Fotos: oben der Probenraum mit mir stehend in der Mitte (ja, so viel Eitelkeit darf sein), unten bauen wir uns gerade zum Gruppenfoto auf – für die Abteilung PR und Propaganda, muss auch sein.
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Pianist Michael Wollny hat der WELT ein richtig gutes Interview zur Situation des Jazz in Deutschland und speziell zur aktuellen Jazzdebatte gegeben.
Allein, weil er weiß, wovon er redet, weil er ein guter Musiker ist, und weil er sich eloquent und in grammatikalisch richtigen Sätzen ausdrücken kann, lohnt es sich schon, das zu lesen.
Und außerdem grenzt er sich schön ab gegen einige Leute, die die staatliche Förderung des Jazz als Lebensnotwendigkeit betrachten und viel Zeit damit verbringen, sie zu betreiben.
Lieblingszitat:
“Wie können wir eine Debatte über eine Musik ernst nehmen, die versucht, sich selbst ihre Relevanz zu erklären? Nebenbei will man auch zwei sich widersprechende Sachen beweisen, dass wir also sowohl lebendig als auch förderungswürdig sind. In der derzeitigen Diskussion vermischen sich diese zwei Themen auf ganz unfruchtbare Weise – auf der einen Seite die Frage: Deutscher Jazz – ist er tot oder lebendig? Und auf der anderen Seite: Ist Förderung gut oder schlecht oder schlicht notwendig? Aber möglicherweise gelten Jazzmusiker per se als ein bisschen neurotisch.”
Da redet einer, der lieber Musik macht, als sich mit den teilweise reichlich überspannten Diskussionsbeiträgen abzugeben. Klar – er kann sich (zu recht) so eine Haltung in jeder Hinsicht leisten.
Und gerade deshalb wird auch sofort an seinen Äußerungen detailliertest rumgekrittelt (nur kann man ihn nicht wie vor ein paar Wochen Michael Hornstein als inkompetent und miesen Musiker niedermachen).
Schon erstaunlich.
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Nicht schön gespielt, aber gewonnen – und jetzt (wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag) ganz oben in der Zweiten Liga.
Und mit einem denkwürdigen Zitat von Kopfball-Torschütze Fabian Boll: „Da muss man seinen Wirsing halt mal reinhalten.“ Das ist St. Pauli, das ist Kampf und Einstellung! Gutes Ding.
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Schlagworte: Fabian Boll, St. Pauli, Wirsing
Zwar kein gutes Foto (weil mit dem Billig-Handy aufgenommen), aber ein Dokument: für eins der besten Konzerte, die ich je in der Unterfahrt gehört habe. Ulf Wakenius, schwedischer Gitarrist und der Pariser Akkordeonspieler Vincent Peirani hatten eine großen Auftritt.
Es war leise, es war melodiös, charmant, ergreifend und ungeheuer intensiv, was die beiden Virtuosen auf die Bühne brachten. Rein äußerlich passen sie schon mal gar nicht zusammen: Peirani schlacksig, etwa zwei Meter hoch, Hippie-Style und Ulf Wakenius, Gitarren-Legende, einen Kopf kleiner, charming, bulliger, älter, Baseball-Kappe. Aber musikalisch passt das hundertprozentig. Ich habe noch nie zwei Leute so perfekt zusammenspielen gehört. Es gibt sehr sehr leise Passagen, in denen das Publikum extrem aufmerksam lauscht und bei denen jede Unsauberkeit sofort aufgefallen wäre. Aber die kommen nicht vor. Es ist einfach perfekt.
Unsauber wird es höchstens bei Ulfs Solo-Läufen, wenn die Technik nicht so will wie er, oder wenn die Wasserflasche, mit der er seine Saiten bearbeitete, weg ins Publikum rutscht.
Machte nichts, die Flasche wird zurück gereicht und weiter geht’s.
Aber der eigentliche Star des Abends ist der Akkordeon-Spieler. Vincent Peirani ist cool, gelassen und unglaublich virtuos. Ich hätte nie gedacht, dass Akkordeon so ein überwältigendes Instrument ist. Peirani beherrscht es wirklich. Das hört man speziell an den leisen, langsamen Tönen, wenn er gar nicht viel macht, aber dass umso intensiver.
Natürlich kann Ulf Wakenius alles auf der Gitarre. Natürlich zeigt er das. Natürlich jubelt das Publikum in der sehr gut gefüllten Unterfahrt. Aber den wirklichen Applaus staubt der Franzose ab – und das zu Recht.
Ein besonderes Zuckerl die erste Zugabe: Stevie Wonders “Isn’t she lovely”, von Peirani dargeboten auf der Accordina – einer größeren und komplizierteren Mundharmonika. Ganz, ganz groß.
Als alles vorbei ist, kaufe ich mir sogar die CD von den beiden (zusammen mit Bassist Lars Danielsson und Sänge Youn Sun Nah), was ich sonst nie tue.
Beseelte Heimfahrt mit dem Radl durch die Kälte. Richtig schöner Abend. Grazie Siggi Loch.
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Schlagworte: Ulf Wakenius, Unterfahrt, Vincent Peirani
20 Jahre ACT in der Unterfahrt
Fantastische Konzertreihe in dieser Woche in München. Aus Anlass es 20-jährigen Label-Jubiläums präsentiert Siggi Loch nach dem Auftakt in der Muffathalle eine Woche lang feinsten Jazz in der Unterfahrt. Alles empfehlenswert, alles Highlights, am spektakulärsten: Leszek Mozdzer kommenden Mittwoch mit einem Solo-Auftritt (Leider, leider schon ausverkauft).
Ich mach’s mir einfach und kopiere die Ankündigungen aus dem Unterfahrt-Programm. Hingehen!
Di. 07.02. 20 Jahre ACT – Piano Piano
Danilo Rea & Flavio Boltro
Danilo Rea (p), Flavio Boltro (tp)
Die Oper ist den Italienern eine Herzensangelegenheit. So auch für den römischen Pianisten Danilo Rea, der für diese nationale Leidenschaft besonders prädestiniert ist: Er absolvierte am Konservatorium Santa Cecilia in Rom ein klassisches Klavierstudium, und auch nach seiner Hinwendung zum Jazz orientiert Rea sich weniger an amerikanischen Standards, sondern greift am liebsten auf die Musiktradition seiner Heimat zurück: Mustergültig ist dies zu hören auf seinem ACT Debüt “A Tribute to Fabrizio de André”, das von Italiens Jazzmagazin “Musica Jazz” zum Klavieralbum des Jahres 2010 gekürt wurde. Über Puccini, seinem Lieblingskomponisten, entdeckte Rea die Oper. Nach “Lirico” im Jahr 2004 widmet er sich auf “Opera” jetzt ganz dem italienischen Fach und erhält dabei prominente Unterstützung von Flavio Boltro, dem norditalienischen Trompeter von Weltrang. Auch er bringt ideale Voraus¬setzungen mit: ein klassisches Studium am Konser¬vatorium von Turin, die Arbeit in einem Sinfonie-orchester und die genre- und stiloffene Lust am Experiment. Vom ersten Ton an präsentieren sich Rea und Boltro auf “Opera” als überragende Lyriker, ohne Scheu vor Pathos und dem ganz großen Gefühl. Im Fokus steht der melodische Gehalt der Vorlagen. Der stets hörbare Respekt vor den Opernklassikern schließt Innovation freilich niemals aus. Als zwei der kreativsten Improvisatoren der Szene, finden sie stets eine spannende rhythmische Variation, eine belebende Phrase oder eine wichtige harmonische Erweiterung. Oper und Jazz fließen harmonisch ineinander. Eintritt € 16.00/ Mitglieder € 8.00
Mi. 08.02. 20 Jahre ACT – Piano Piano
Leszek Mozdzer Solo
Leszek Mozdzer (p)
Wenn Możdżer heute als wichtigste Entdeckung des jüngeren polnischen Jazz und als einer der herausragenden Pianisten der internationalen Szene gilt, dann nicht zuletzt wegen seiner wegweisenden Grenzgänge zwischen Klassik und Jazz. Er ist der große Romantiker unter den europäischen Jazzpianisten. Mit Improvisationen über Themen von Frédéric Chopin begründete er seinen Ruf: Stets orientiert sich sein perlendes, anschlagstechnisch unerreichtes Spiel seither an Melodien voller Lyrik und Emotion. Dabei erweist sich Mozdzer gleichwohl als überragender Improvisator – allerdings auf der Grundlage eines klassischen Kanons, was Chromatik, Harmonik und vor allem Verzierungen angeht. Mit seinem Solo-Debüt “Komeda” für ACT wirft Leszek Mozdzer einen ehrerbietenden, aber gleichwohl eigenständigen Blick auf die Musik des legendären Pianisten Krzysztof Komeda, der durch seine Soundtracks für Roman Polanski weltweite Bekanntheit erlangte. Das Album erklomm in Polen kurz nach Veröffentlichung den ersten Platz der Pop(!)-Charts und ließ somit Weltstars wie Sting und Beyoncé hinter sich. Auch die deutsche Presse ist voll des Lobes: Die Süddeutsche Zeitung nennt Możdżer schlicht “ein Phänomen” und spricht von einem “erlesenen Album.” Und der Tagesspiegel schwärmt anlässlich seines umjubelten Konzertes beim JazzFest Berlin 2011 von seinem Ton und einzigartigen Anschlag, den man nach fünf, sechs Takten blind erkenne. (Bereits ausverkauft)
Do. 09.02. 20 Jahre ACT – Piano Piano
Doppelkonzert: Jens Thomas & Verneri Pohjola – Verneri Pohjola Quartet
1. Set: Jens Thomas (p), 2. Set: Verneri Pohjola (tp), Aki Rissanen (p), Antti Lötjönen (b), Joonas Riippa (dr).
Jens Thomas lässt niemanden in Ruhe, weder sein Klavier noch die Jazzgeschichte, noch sein Publikum, und schon gar nicht sich selbst,” resümiert die Frankfurter Rundschau. “Alles wird zu etwas Neuem kompostiert” fügt die ZEIT hinzu und der Kölner Stadtanzeiger bezeichnet ihn wegen seines Individualismus und unkonventionellen Spiels gar “als Jimi Hendrix des Flügels.” Jens Thomas’ kompromisslose Suche nach neuen Wegen führt ihn 2000 mit “You Can`t Keep A Good Cowboy Down” zu dem Filmkomponisten Ennio Morricone. Frankreich, England und Deutschland küren das Album jeweils zum Jazzalbum des Jahres. Er covert nicht, sondern gibt den Stücken einen ganz neuen Charakter und Ausdruck. So auch bei “Speed of Grace.” Nicht laut und rockig, sondern balladesk und ganz intim erklingen AC/DC. Aus Hardrock wird lyrische Kammermusik, werden total heruntergedimmte, impressionistische, bis auf das Grundgerüst völlig improvisierte Balladen. “Highway To Hell” wird zur fast zerbrechlichen, traurigen Klage. Jens Thomas überrascht zudem als außergewöhnlicher Sänger. Völlig autodidaktisch entwickelte er einen eigenen Gesangsstil, in dem sich Falsett- und Obertongesang mit kräftigem Rockbass mischen. 2. Set: Pohjola – ein Name mit Symbolkraft für Finnland. Es ist der Hauptort in dem berühmten Nationalepos “Kalevala” und der Nachname einer der bekanntesten Jazzmusikerfamilien des Landes. Mit seinem ACT-Debüt “Aurora” sorgte der Trompeter Verneri Pohjola im Januar 2011 auch außerhalb seiner Heimat für Aufmerksamkeit. Nicht nur der deutsche “Stern“ lobte das “epische Album” in den höchsten Tönen, auch das amerikanische Portal Allaboutjazz befand: “Verneri Pohjola hat das Zeug zum internationalen Jazzstar.” Das vielleicht wertvollste Lob kam aus dem Mund von Trombone Shorty, dem derzeit wohl angesagtesten jungen Posaunisten und Trompeter, als er Pohjola zum ersten Mal hörte: “Ich weiß nicht, wer das ist, aber er hat einen wundervollen Ton. Er spielt in großen Bögen, er weiß, dass Raum kostbar ist, und lässt die Musik sprechen. Wirklich toll!” Mit seinem neuen Album “Ancient History” beweist Pohjola umso mehr, dass er für die internationalen Bühnen geschaffen ist. Im Mittelpunkt steht Pohjolas markanter Trompetenton. Der ist meist verhalten, paart die Coolness eines Miles Davis mit einem fahlen, heiseren, mitunter sehr metallischen Dialekt, beherrscht aber auch alle möglichen Artikulationswechsel und kann sich auch mal kraftvoll zu hymnischen Höhen aufschwingen. Im Gegensatz zu seinem Debüt-Album setzt er auf die Intimität der Quartettbesetzung, alles Weggefährten Pohjolas: “Ich wollte eine Band haben, die ich wirklich gut kenne. Ich wollte so live wie möglich klingen. Und mit den Jungs auf dem Album spiele ich seit über zehn Jahren zusammen. Wir kennen uns in- und auswendig.” Eintritt € 18.00/ Mitglieder € 9.00
Fr. 10.02. 20 Jahre ACT – Piano Piano
Ida Sand & Band
Ida Sand (voc, p), Mathias Torell (git), Tobias Gabrielsson (b), Anders Hedlund (dr)
Mit ihrer aktuellen und dritten ACT-CD “The Gospel Truth” kehrt Ida Sand zu ihren musikalischen Wurzeln zurück: zur einzigartigen Verbindung aus europäischem und amerikanischem Soul. Damit knüpft die Schwedin an ihr 2007er ACT Debüt “Meet Me Around Midnight” an, auf dem sie „erdig-markant, vom Blut des Blues durchtränkt, Gospel durchdrungen, jazzverwittert und soulinfiziert” (Jazzthing) begeisterte. Von dieser Musik gepackt, entdeckte sie bald auch den weltlichen Bruder des Gospel, den Soul, und seine alten Meister wie Ray Charles oder Aretha Franklin. Und so ist das neue Album der musikalische Ausdruck dieser persönlichen Gewissheit. “The Gospel Truth” liefert den Beweis, dass Ida Sand die vielleicht beste weiße europäische Soulstimme seit Lisa Stansfield ist. Eintritt € 18.00/ Mitglieder € 9.00 Bereits weitgehend ausverkauft, nur noch wenige Plätze an der Abendkasse verfügbar.
Sa. 11.02. 2012 20 Jahre ACT – Piano Piano
Gwilym Simcock Solo
Gwilym Simcock (p)
Leider musste der Pianist Yaron Herman aus gesundheitlichen Gründen das heutige Konzert absagen. Zum Glück gehören viele erstklassige Pianisten von Weltrang zur ACT-Family und der walisische Kollege Gwilym Simcock übernimmt diesen Abend. Chick Corea nennt ihn ein “Original, ein kreatives Genie” und Jamie Cullum, Star der britischen Musikszene, erklärt ihn zu “unserem besten jungen Klavierspieler”: Der 1981 geborene, in London lebende Waliser Gwilym Simcock zählt unzweifelhaft zur Speerspitze des europäischen Jazz. Die BBC kürte ihn 2006 – 2008 zum ersten “BBC Radio 3 New Generation Jazz Artist” und verlieh ihm einen Jazz Award. Bei den britischen Parliamentary Jazz Awards wurde er 2007 als “Jazzmusiker des Jahres” ausgezeichnet. Seinen endgültigen Durchbruch schaffte Simcock 2011 mit seiner Soloklaviereinspielung Good Days at Schloss Elmau. Als eines der 12 besten Alben Großbritanniens wurde sein ACT-Debüt für den prestigeträchtigen Mercury Prize, dem wichtigsten Genre übergreifenden Musikpreis Großbritanniens nominiert. Damit stand Simcock in einer Reihe mit Weltstars wie der Sängerin Adele. Was Kritik und Publikum so fasziniert, wird auf “Good Days at Schloss Elmau” klar: Wie ein Hai hat sich Simcock durch die Meere der Musikgeschichte gefressen. Wer genau hinhört, wird Anklänge finden an Mozart, Bach, Chopin, Ravel, Gershwin oder Ligeti, ebenso wie an Shearing, Monk, Evans, Peterson und natürlich an Jarrett. Simcock ist aber kein Eklektiker, er ist ein Neo-Romantiker, der aus allen Einflüssen von der Klassik bis zu Jazz-Standards wogende und wirbelnde Elegien kreiert, die vor Einfällen und Eskapaden nur so strotzen. Ende März erscheint Simcocks neues Album Lighthouse, gemeinsam mit Saxofonist Tim Garland und Perkussionist Asaf Sirkis, bei ACT. Eintritt € 16.00/ Mitglieder € 8.00
So. 12.02. 20 Jahre ACT – Piano Piano
Ulf Wakenius & Vincent Peirani
Ulf Wakenius (git), Vincent Peirani (acc)
Jazzmusiker könnten als Berufsbezeichnung auch “Reisender” angeben. Zu einer erfolgreichen Karriere gehören Tourneen und Konzertreisen unverzichtbar dazu. Vagabunden, fahrendes Volk – bis zu einem gewissen Grad sind ihre Nachfahren die Jazzmusiker. Auch daran hat der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius gedacht, als er sein neues Album “Vagabond” taufte. Schließlich hat auch er den Globus bereits etliche Male umrundet, als langjähriges Mitglied des Oscar Peterson-Quartets und an der Seite des Bassisten Niels-Henning Ørsted-Pedersen. Und seit einigen Jahren ist Wakenius nun auch treuer Begleiter seiner ACT-Kollegin Youn Sun Nah. Weil der koreanische Gesangsstar Nah oft in Paris weilt, ist die Seine-Metropole für ihn zum oft angesteuerten Ziel geworden und nun zu einer der Kraftquellen von “Vagabond”. Denn hier fand er den Mann, der mit ihm zusammen das Album prägt: den Akkordeonisten Vincent Peirani, der als kommender Star der großen französischen Akkordeontradition gelten darf. Auf “Vagabond” zeigt der Weltreisende Wakenius, von welcher Neugier auf jede Art von guter Musik er getrieben ist und wie vielseitig er seine Gitarre einzusetzen weiß: ein faszinierender Reisebericht und ein Album, von dem der Gitarrist selbst sagt, es sei “das Beste, das ich je gemacht habe.” Eintritt € 16.00/ Mitglieder € 8.00
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Schlagworte: danilo rea, flavio boltro, Gwilym Simcock, Ida Sand, Jens Thomas, Leszsek Mozdzer, Muffathalle, Unterfahrt, Verneri Pohjola
So was Schönes! Geht doch!
Bei dem ganzen Gerede zur Zeit über die Lage des Jazz und der Jazzmusiker in Deutschland glaubt man fast gar nicht mehr, dass es noch richtig gelungene Veranstaltungen gibt. Und dann stellt Siggi Loch, Gründer und Chef des ACT Labels zum 20-jährigen Jubiläum diese Besetzung auf die Bühne: Nils Landgren, Michael Wollny, Leszek Mozdzer (schöne website!), Wolfgang Haffner, Lars Danielsson, Caecilie Norby, Céline Bonacina, Verneri Pohjola, Nguyen Le. „We are family“ lautet das Motto des Abends – und unter der Federführung von Posaunist Nils Landgren wird genau das geboten: Eine Auswahl von Lieblingsstücken, gespielt in wechselnden Besetzungen – vom Duett bis zur vollen Besetzung. Und natürlich mit der Möglichkeit für jeden Einzelnen, als Solist zu glänzen.
Ich komme leider ein bisschen spät – erst gegen 20.30 bin ich in der Muffat und verpasse deswegen die Eröffnungsansprache von Siggi Loch. Aber dafür bin ich gleich mitten in einem Klavier-Highlight: Leszek Mozdzer (das ist der Pole, dessen aktuelles Soloalbum „Komeda“ es auf Platz 1 der polnischen Pop(!)charts schaffte, und das mittlerweile Doppel-Platin Status erreicht hat) zuerst solo und dann in einem furiosen Duett mit Michael Wollny. Gleich Euphorie, die Zuhörer in der beinahe ausverkauften Muffathalle stehen fast auf den Stühlen – na ja, eher sinnbildlich. Die Muffat bestuhlt, das habe ich auch noch nicht erlebt, aber das Durchschnittsalter ist auch ein bisschen höher als beim üblichen Programm dort. Außerdem werden erstaunlich viele eher ruhige Stücke geboten, was aber absolut passt, denn gerade diese Titel werden so intensiv und technisch perfekt gespielt, dass sie unter die Haut gehen und man ganz gebannt zuhört (um mal ein besonders abgegriffenes Klischee zu benutzen).
Dass es auch anders geht und dass sie es natürlich draufhaben, zeigten die Musiker bei Jimi Hendrix’ “Purple Haze”. Mit Nguyen Le an der Gitarre im Mittelpunkt wird richtig dreckig losgerockt. Doch bevor 70er-Jahre-Festival-Feeling aufkommt, bremst Nils Landgren die Party-Stimmung sanft herunter und es wird wieder Jazziges betont.
Für mich völlig neu und unverschämt gut: Céline Bonacina am Bariton Sax. Zuerst denkt man: Die arme Frau mit dem Riesen-Instrument, warum hilft der keiner – dann ist man völlig baff, was sie da rausholt. Grandios. Michael Wollny am Piano ist große Show, Nils Landren als Conferencier fast besser als an der Posaune, Drummer Wolfgang Haffner outet sich als Rock’n'Roller. Der finnische
Trompeter Verneri Pohjola ist unter diesen Cracks fast ein Nachwuchstalent, seine Diskografie ist noch ziemlich schmal (aber hochgelobt) und zu einer eigenen website hat’s auch noch nicht gereicht. Aber Spielen kann der, mein Gott! Wie auch alle anderen: Klasse, klasse, klasse. Leider ist schon nach gut zwei Stunden alles vorbei. Am Ende, auch das ein tolles Zeichen von Respekt unter Musikern, zwei Stücke von Esbjörn Svensson – e.s.t. ist unvergessen und bleibt für das ACT-Label einer der größten Namen.
Eine Kleinigkeit noch: Der Sound war hervorragend. Habe ich so in der Muffat noch nicht gehört. Müssen halt nur die richtigen Leute am Pult sitzen.
Glückliche Gesichter, als es raus in die Kälte geht. Schnell noch ‘ne Curry-Wurst an der Hermesdorfer-Bude mit dem Gefühl: Im Konzert-des-Jahres-Ranking wird der Abend ganz vorn dabei sein.
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Schlagworte: ACT, caecilie norby, Kritik, lars danielsson, leszek mozdzer, Muffathalle, nguyen le, wolfgang haffner
Jetzt sind die Leserbrief-Schreiber dran in der Süddeutschen. Michael Hornsteins Artikel über den Zustand des Jazz in Deutschland hatte im Netz heftige Reaktionen provoziert. Ein Hauptakteur der Hornstein-Gegner ist Florian Ross, Musiker, Komponist und Jazz-Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.
Sein Brief wurde von “mehr als 100 Professionellen der Jazzszene” unterzeichnet – dann sollte er Gewicht haben und gute Argumente liefern. Tut er aber nicht. Ross erklärt den Artikel “Betriebsstörung” zum Frust-Blog eines Einzelnen, der von “persönlich gefärbten, nicht überprüf- oder nachvollziehbaren Zustandsbeschreibungen” wimmele, “gemischt mit unhaltbaren Vorwürfen gegen ganze Berufsstände”. Was da so falsch sein soll an Hornsteins Behauptungen, sagt er nicht. Stattdessen Vorwürfe an die SZ, der “Einflüsterung lokaler Musiker” auf den Leim zu gehen.
Mit Verlaub, das ist ganz schwach. Herr Hornstein mag ja mit manchem daneben liegen. Darüber kann man sich aufregen. Aber dann muss man sagen, was nicht stimmt. Vor allem, weil Hornstein unter anderem frontal die Jazz-Hochschulen attackiert. Und dazu könnte Florian Ross sicher Einiges erzählen, er ist ja an der Hochschule beschäftigt. Stattdessen auf seiner facebook-Seite ein post aus der Schmoll-Ecke:
Der Leserbrief ist heute in der SZ erschienen – leider feiert sich die Zeitung erwartungsgemäß als großer “Stein ins Rollen Bringer”. Daß man die Stein auch auf einem der SZ angebrachten Niveau ins Rollen hätte bringen können, wird verschwiegen.
Hallo? Erst lesen, dann schäumen, bitte. Die SZ feiert gar nichts. Die stellt links pro-Hornstein-Briefe und rechts contra-Hornstein-Briefe, beide Teile in gleicher Länge. Zu jeden Brief ‘ne Überschrift, dazu ein Foto, fertig. Das Ganze nennt sich Forum. Nix kommentieren, nix feiern, nix verschweigen.
Und blöderweise gibt es auch Meinungen, die “Betriebsstörungen” absolut bestätigen. Die das Unbehagen, das am Jazz-Kultur-Betrieb geäußert wurde, teilen.
Die Vehemenz, mit der unter Musikern und Jazz-Beauftragten auf den Artikel reagiert wurde, könnte nämlich genau ins Gegenteil kippen. Zu besichtigen ist das in einem anderen Forum bei Zeit online. Dort wurde unter dem Titel “Jazz zieht vor den Bundestag” eine Diskussion über eine öffentliche Kulturförderung von Jazz und Jazzmusikern begonnen. Und binnen Stunden vermehrten sich die heftigen Kommentare gegen jede Art von Subvention und Unterstützung. Der Verweis, dass das schließlich hohe Kultur sei und die Klassiker auch üppig gefördert werden, zieht da nicht wirklich.
Die Meinungen, dass zumindest manche Spielarten des Jazz außer den jeweiligen Akteuren niemand wirklich interessieren, haben ja was für sich. Und je eingeschnappter die Angesprochenen reagieren, desto mehr ist man geneigt, den Kritikern zuzustimmen.
Ist schon gut, dass im Moment so ausführlich über Jazz gestritten wird. Aber zwischendurch mal relaxen und wieder runterkommen, könnte ganz hilfreich sein (für die Musiker, die schließlich ein paar sehr berechtigte Anliegen haben).
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Schlagworte: Süddeutsche Zeitung, Zeit
Kleine, interessante Meldung heute früh in der Morgenübersicht bei Macwelt:
Auf der Konferenz D: Dive Into Media hat der Rockmusiker Neil Young in einer Podiumsdiskussion die Entwicklung höherwertiger digitaler Musik gefordert. Die heutigen Kompressionsverfahren würden 95 Prozent der Musik wegfiltern, beschwert sich Young. Einen Mitstreiter wollte er bereits gefunden haben, mit Steve Jobs zusammen habe er an einer Lösung des Problems gearbeitet, Seit dem Tod des Apple-Gründers sei aber nichts mehr geschehen und es habe keine weiteren Verhandlungen mit Apple gegeben. “Steve Jobs war ein Pionier der digitalen Musik und sein Vermächtnis ist enorm,” lobt Young den verblichenen Apple-Chef. “Aber wenn er heim gekommen ist, hat er Vinyl aufgelegt. Wenn er lang genug gelebt hätte, hätte er schließlich das erreicht, was ich versuche.” Die Ohren seien “das Fenster zur Seele,” erklärt Young, wenn man von der Musik 95 Prozent wegnehme, könne man das hören. “Lasst die Leute 100 Prozent haben. Oder 99. Occupy Audio!” Bestehende High-End-Lösungen seien nicht das Wahre, kritisiert der Musiker. Sony kontrolliere das Format SACD zu stark und DVD Audio hätte besser auf Stereo setzen sollen, denn “die Hausfrau möchte sich nicht mit fünf Lautsprechern herumschlagen.”
Dazu habe ich hier noch einen ausführlicheren Artikel bei Allthings gefunden.
Darin ein schönes Statement von Neil Young zu Plattenfirmen:
“What I like about record companies is that they present and nurture artists,” he said. “That doesn’t exist on iTunes, it doesn’t exist on Amazon. That’s what a record company does, and that’s why I like my record company. People look at record companies like they’re obsolete, but there’s a lot of soul in there — a lot of people who care about music, and that’s very important.”
Der Mann ist gut.
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Schlagworte: Download, Neil Young, Steve Jobs
Schönes Foto, schöne Ankündigung: “Ein Gespräch über die Wurzeln der Beatles im Jazz” mit Paul McCartney in der Zeit vom 26. Januar. Eher nebenbei erfährt man, dass der Mann ein neues Album fertig hat. Das muss vermarktet werden und dafür gibt er Interviews. Leider erfährt man in der Zeit nicht, wie die CD heißen wird (Kisses on the bottom) und wann sie rauskommt (7. Februar). Dafür wird ausführlich klar gemacht, dass Christoph Dallach einen der raren Einzel-Termine beim Meister bekommen hat.
Egal. McCartney ist eine Legende und kann erzählen. Über Familienfeste in seiner Kindheit, bei denen sein Vater Klavier spielte und Jazzsongs zum Besten gab. Über John Lonnon, der ebenfalls diese sanften Songs liebte. Über eine Hotel-Lobby, in der er ungestört allein drauflos spielen konnte. Über seine Arbeit für ein Computerspiel.
Und wie ich dann ein wenig im Netz stöbere, um Näheres zu McCartneys neuem Album zu erfahren, lande ich bei der Frankfurter Rundschau, die ebenfalls mit dem Ex-Beatle gesprochen hat. Nicht so exklusiv, sondern im Pulk mit anderen Journalisten, aber dabei sind erstaunlicherweise die besseren Fragen und Antworten rausgekommen. Es geht um die Arbeit an dem Album, die verschiedenen Versuche, “richtig” Musik zu lernen, um seine Bedeutung in der Englischen Öffentlichkeit (und einen eventuellen Auftritt bei Olympia in London). Und am Ende noch eine Anekdote über die Queen
(Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Auftritt zu ihrem 50-jährigen Kronjubiläum. Wir Musiker standen in einer Reihe in ihrem Garten und warteten darauf, dass sie kam, um jedem die Hand zu schütteln. Irgendwann stand sie direkt neben mir. Ich dachte mir: „Na gut, ich kenne sie schon seit Jahren, da kann ich mich ihr gegenüber ein bisschen unverkrampfter geben.“ Was meinen Sie damit? Ich sagte: „Majestät, wo wollen wir dieses Fest denn im nächsten Jahr wiederholen?“ Daraufhin die Queen: „Aber nicht in meinem Garten!“)
That’s Entertainment. Klasse!
Und zur CD: 14 sehr softe, swingende Lieder, meist Klassiker aus den 40er und 50er Jahren, dazu ein paar Eigenkompositionen. Wohlfühlmusik, richtig gut gemacht. Details dazu gibt’s hier bei Wikipedia, kurze Anspieler finden sich hier bei Amazon. Das etwas seltsame Cover ist oben abgebildet.
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Schlagworte: Beatles, Frankfurter Rundschau, John Lennon, Paul McCartney, Zeit




