Schönes Foto, schöne Ankündigung: „Ein Gespräch über die Wurzeln der Beatles im Jazz“ mit Paul McCartney in der Zeit vom 26. Januar. Eher nebenbei erfährt man, dass der Mann ein neues Album fertig hat. Das muss vermarktet werden und dafür gibt er Interviews. Leider erfährt man in der Zeit nicht, wie die CD heißen wird (Kisses on the bottom) und wann sie rauskommt (7. Februar). Dafür wird ausführlich klar gemacht, dass Christoph Dallach einen der raren Einzel-Termine beim Meister bekommen hat.
Egal. McCartney ist eine Legende und kann erzählen. Über Familienfeste in seiner Kindheit, bei denen sein Vater Klavier spielte und Jazzsongs zum Besten gab. Über John Lonnon, der ebenfalls diese sanften Songs liebte. Über eine Hotel-Lobby, in der er ungestört allein drauflos spielen konnte. Über seine Arbeit für ein Computerspiel.

Und wie ich dann ein wenig im Netz stöbere, um Näheres zu McCartneys neuem Album zu erfahren, lande ich bei der Frankfurter Rundschau, die ebenfalls mit dem Ex-Beatle gesprochen hat. Nicht so exklusiv, sondern im Pulk mit anderen Journalisten, aber dabei sind erstaunlicherweise die besseren Fragen und  Antworten rausgekommen. Es geht um die Arbeit an dem Album, die verschiedenen Versuche, „richtig“ Musik zu lernen, um seine Bedeutung in der Englischen Öffentlichkeit (und einen eventuellen Auftritt bei Olympia in London). Und am Ende noch eine Anekdote über die Queen
(Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Auftritt zu ihrem 50-jährigen Kronjubiläum. Wir Musiker standen in einer Reihe in ihrem Garten und warteten darauf, dass sie kam, um jedem die Hand zu schütteln. Irgendwann stand sie direkt neben mir. Ich dachte mir: „Na gut, ich kenne sie schon seit Jahren, da kann ich mich ihr gegenüber ein bisschen unverkrampfter geben.“ Was meinen Sie damit? Ich sagte: „Majestät, wo wollen wir dieses Fest denn im nächsten Jahr wiederholen?“ Daraufhin die Queen: „Aber nicht in meinem Garten!“)

That’s Entertainment. Klasse!

Und zur CD: 14 sehr softe, swingende Lieder, meist Klassiker aus den 40er und 50er Jahren, dazu ein paar Eigenkompositionen. Wohlfühlmusik, richtig gut gemacht. Details dazu gibt’s hier bei Wikipedia, kurze Anspieler finden sich hier bei Amazon. Das etwas seltsame Cover ist oben abgebildet.


Nachdem ich gestern eher zufällig über den SZ-Artikel und die Aufregung darüber auf diversen facebook-Seiten gestolpert bin, habe ich mir heute die posts ein bisschen genauer angesehen. Nun bin ich kein Musiker, stecke nicht in diesem ganzen Kulturbetrieb und kann deswegen auch nicht beurteilen, wie die Lage der Jazzmusiker im Allgemeinen und im Speziellen aussieht.
Trotzdem fällt erstmal auf, dass Michael Hornstein wegen seines Artikels durchgehend und rundum fertig gemacht wird. Und zwar nicht, indem seine Argumente/Darstellungen kritisiert/zerrissen/widerlegt werden, sondern indem er als schlechter Musiker niedergemacht wird, der deswegen auch nichts Gescheites zu sagen habe. Das steigert sich in den Vorwurf an die SZ, „jemandem wie Michael Hornstein in diesem Umfang über einen künstlerischen Musikbereich Sprach- und Urteilsrecht in einer Zeitung wie der Süddeutschen einzuberaumen“.
Wie bitte? Pressefreiheit, Meinungsfreiheit? Nicht das Urteil der Jazz-Aufsicht eingeholt?
Ich habe mir auch deswegen den Hornstein-Artikel noch mal genauer angesehen. Zwei Passagen fallen mir auf:

„Viele Redakteure, Journalisten und Veranstalter in Deutschland haben sich selbst als Jazzmusiker versucht, konnten sich aber nicht etablieren. Statt nun die Finger von der Musik zu lassen, kommen sie als Redakteure in Machtpositionen, in denen sie die musikalischen Vorstellungen, mit denen sie schon einmal gescheitert sind, doch noch ausführen lassen können. Von Musikern, die jetzt von ihnen abhängig sind. Die wiederum müssen das Spiel mitmachen, damit sie überhaupt über die Runden kommen. Gerade intelligente junge Musiker ahnen, was der Betrieb erwartet und bieten dann genau das: eine vollkommen idiosynkratische Kunstmusik. Und genau hier kommt dann auch noch die Hybris des deutschen Kulturbetriebs dazu, dessen Grundannahme zu sein scheint: Gerade weil diese Musik vom Publikum nicht verstanden und abgelehnt wird, muss sie große Kunst sein. In Wirklichkeit ist es eine groove- und humorfreie Musik, die im Grunde niemanden interessiert.“

„Eine große Rolle spielen auch die zahlreichen neu gegründeten Jazz-Hochschulen: Hier unterrichten meistens nicht Musiker, die erfolgreich waren, sondern vor allem Musiker, die selbst aus dem Hochschulsystem kommen, das aber vom echten Konzertbetrieb weitgehend abgeschnitten ist. Letztendlich unterrichten hier also Musiker, die nie professionell Jazz gespielt haben, Musiker, die nie professionell spielen werden. Mit einer Musik, die mit ihrem Publikum auf zeitgemäße und elegante Art kommuniziert, hat das wenig zu tun. „

Besonders die „groove- und humorfreie Musik“ lässt ja einige Leute ziemlich hochkochen, aber das ist erstmal egal. Ich finde das Gesagte jedenfalls nicht völlig unschlüssig (und, nebenbei, besser formuliert als manche Kritiken, die Hornstein neben Inkompetenz auch schlechten Stil vorhalten). Und wenn er Recht hat, hat er Recht. Und wenn nicht, können die Leute, die ebenfalls in dem Betrieb stecken, sicher erläutern warum. Das finde ich aber bisher nicht wirklich, stattdessen wortreiche Ausführungen, warum ein Mann, der auf einer Café-del-Mar-CD stattfindet, zum Jazz nichts beizutragen hat.

Jetzt wird ein gemeinsamer Leserbrief an die Süddeutsche aufgesetzt.
Da bleiben wir doch sehr neugierig.


Oh, da hat Michael Hornstein richtig was losgetreten. Sein Artikel „Betriebsstörung“, der am 21. Januar im Feuilleton der Süddeutschen erschien, führt zu ausführlichen und anhaltenden Diskussionen auf verschiedenen facebook-Seiten. Seine These, griffig in der Unterzeile formuliert: Der Jazz hat in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz mehr. Die Ursachen dafür sind selbstgemacht. Leider hat die Süddeutsche den Text unverständlicherweise nicht in ihrem online-Angebot (wo man sonst auch die ältesten und uninteressantesten Dinge findet), aber hier kann er downgeloaded werden.
Wortführer der Gegenposition (in etwa:“Jazz findet nicht statt, weil die Medien ihn ignorieren, weil er nicht vermittelt wird, weil nicht genug Geld gezahlt wird, etc“) ist Florian Ross, Pianist, Komponist, Arrangeur  und Lehrbeauftragter an der Uni Köln. Seine facebook-Pinnwand ist die zentrale Diskussions-Plattform und nicht immer geht es da zimperlich zu. Da wird die „gute“ Musik gefeiert und der Kommerz verabscheut, da werden Musik-Studenten für blöd erklärt, und erfolgreiche Musiker für mittelmäßig. Einige arbeiten sich an Helge Schneider ab („ist nur ein Clown“), andere schimpfen auf ignorante Medien. Und ein gemeinsamer Leserbrief an die Süddeutsche ist auch in Arbeit.
Mal sehen, was da noch alles kommt. Bleibt spannend.

Kleiner Hinweis einen Tag später: Der Link zu dem Hornstein-Artikel funktioniert nicht mehr. Die Süddeutsche hat den Artikel in ihre Bezahl-Abteilung reingelegt, deswegen ist er nicht mehr frei zugänglich. (Aber falls ihn jemand lesen will: mail – oben unter „Impressum“ – an mich, dann geht was)


Was es alles gibt: Die Entstehung des Jazz als sogenanntes Jump&Run-Spiel als APP fürs iPhone, IPad etc.
Ich bin ja kein Computer-Spieler, und kann deswegen dazu wenig Gescheites sagen, aber scheinbar gibt’s genug Leute, die sowas mögen und schätzen und dafür der Herstellerfirma Bulkypix 2,39 Euro zahlen (ist ja auch nicht die Welt). Jedenfalls sind es nette Illustrationen – siehe die Screenshots – und der Sound auf dem Trailer weiter unten klingt auch gut. Das scheint schon Laune zu machen, falls man genug Zeit und Lust dafür hat.
Aber fragen wir doch einfach die Experten von macwelt, die das Teil very professional getestet haben:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

This is what they say:

In „Jazz: Trump’s journey“ dreht sich alles um das Thema Jazz. Die Spielfigur, ein junger Jazzmusiker aus New Orleans, macht sich auf den Weg, um seine eigene Band zu gründen. Es gilt Gegenstände einzusammeln und Herausforderungen zu meistern. Wenn nötig kann Trump die Zeit anhalten, indem er auf seiner Trompete spielt. Eigens eingespielte Jazzrhythmen untermalen das Jump & Run-Spiel.
Die stimmungsvoll gezeichnete Grafik der App passt zum Musik-Genre. Kurze Textpassagen begleiten den Nutzer durch das Spiel, allerdings ist die Übersetzung ins Deutsche noch sehr mangelhaft. Was jedoch mehr stört, ist die Handhabung des aktuellen Spielstandes. Legt man eine Pause ein oder wird durch einen Anruf unterbrochen, beginnt das Spiel nicht an der zuvor beendeten Stelle, sondern springt zurück zum Anfang des Levels. So muss der Spieler gerade durchlaufene Passagen erneut spielen.
Fazit: Interessantes Spielkonzept, dem ein Musik-Genre als Basis dient. Jazz: Trump’s journey greift Elemente aus der Jazz-Geschichte auf und verpackt sie stilgerecht und unterhaltsam.

Ihr Fazit: „Stimmungsvoller Zeitvertreib für Jazz-Liebhaber“

Mei, warum nicht. Wenn’s der Sache dient und schee macht. Aber doch auch erstaunlich, wo das Thema „Jazz“ überall auftaucht – vielleicht doch nicht so tot oder übel riechend, wie manche Feuilletonisten meinen.
Und hier noch der „Launch trailer“ (ja, so heißt das). Auch lustig.

 


Was Gutes über Django Reinhardt zu dessen 100. Geburtstag im Zentralorgan der selbsternannten klugen Köpfe:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/django-reinhardt-wird-100-ein-jazz-fuer-die-ewigkeit-1913007.html
Der Mann war zwar kein Saxophonist, aber er spielte immerhin auf einer Selmer (ja, die haben auch Gitarren gebaut), und außerdem ist er ein Gigant.
Autor Claus Lochbihler weist auf den späten Django hin, der den Bebop Dizzy Gillespies und Charlie Parkers für sich entdeckte.
Mein Lieblingssatz:
Wenn jemand sein Leben bis zuletzt wie ein großartig intensives, unerreicht schönes, aber leider zu kurzes Gitarrensolo gelebt hat, dann Django Reinhardt.
Schön.


Yes, ich hab sie: Karten für Mittwoch und Donnerstag abend: Jazz Masters All Stars, Lee Konitz, Nicholas Payton Group und der geniale Marcus Miller. Und dann noch so’n bisschen Nachtprogramm: Phronesis und Bahama Soul Club. Alles sehr easy über die Ticket Hotline: 08677/916463-33 (extrem angenehm, weil keine Warteschleife, keine Pausenmusik, keine Automatenstimme, sondern einfach eine freundliche Frau, die Wünsche erfüllt und nach der Kontonummer fragt). Jetzt fehlt nur noch ein Hotel-Zimmer nicht allzu weit weg. Das Glöcklhofer ist leider schon voll.


Neues von meiner liebsten Big Band Beats & Pieces (Ja, die aus Manchester, die vergangenes Jahr den Nachwuchs-Contest in Burghausen gewonnen haben). Am 16. und 20. Februar stellen sie ihr neues Album Big Ideas in Manchester und London vor. Einen kleinen Vorgeschmack haben sie zum kostenlosen download ins Netz gestellt: „jazzwalk“ –  „a new track named after the Street of Fame in Burghausen, where we won the European Young Artists’ Jazz Award last year, and features storming solos from Sam Healey on alto saxophone and Anton Hunter on guitar“ (so beschreiben sie’s auf ihrer website).

Hier ist das Teil:

Und weil im Augenblick alles ziemlich gut für die Jungs aus Manchester läuft, haben sie sich noch einen kleinen feinen Gag ausgedacht.
Sie suchen Vorschläge für irgendeinen Pop-Song (nach ihren Vorstellungen: je durchgeknallter, je besser), den Band-Leader Ben Cottrell als Big-Band-Stück umarrangiert und das zum Tour-Start am 16. 2. präsentiert und das dann jeden Abend gespielt werden wird. Klingt kompliziert?
Hier das Ganze nochmal im Original, geklaut vom Blog des Tour-Veranstalters serious:

Beats & Pieces – of the UK’s newest big bands, who stormed Ronnie Scott’s last summer, and followed quickly with a packed show at the London Jazz Festival – are taking on an exciting challenge (or tempting fate?! You decide..), by inviting you to vote for any popular song of your choosing to be scored for big band by the band’s leader Ben Cottrell.The chosen song will performed live on tour, and posted online.
Although known primarily for their sparkling originals, Beats & Pieces have also brought new life to a number of famous Radiohead tracks So Ben Cottrell is no stranger to arranging popular tunes for big band. Not sure he’s ever gone as far as to consider Lady GaGa, however. One of his New Year’s resolutions perhaps?
Given that it’s Wednesday 18 Jan now, we feel we’d be hard pushed to have the song ready for the first date of the tour in Southampton. But we do urge you Southamptoners to get involved, and give us your vote, as you’ll still be able to witness the fruits of Ben’s efforts online. All those in Manchester should still be poised to witness it first, but the song will be offically premiered at the launch of their new album Big Ideas at Ronnie Scott’s on Monday 20 February, posted online, and then performed at every tour venue thereafter.
The weirder and wackier, the better. Seventies, Eighties… Noughties. Pick an era. Pick a song. And post your suggestion in the comments section below. We’ll select on Friday 3 February.
The band will play Southampton, Manchester, London, Gateshead and Barnstaple. With more dates still to be announced. Click here for full tour details.

Die bisherigen Vorschläge sind eher konventionell: Rihanna ‘Umbrella’, Prince and the Revolution ‘Purple Rain’, Eric Clapton ‘Tears in heaven’.
Am schrägsten noch: Dillinger Escape Plan ‘Sugar Coated Sour’ (das wäre allesdings mal was im Big-Band-Sound).


Aus aktuellem Anlass mal was ganz Unmusikalisches. Alles Weitere dazu direkt hier bei Wikipedia und bei Spiegel online.
Und da wundern sich manche immer noch über den Erfolg der Piratenpartei.


Heute bei facebook entdeckt und gleich geklaut (sorry Lennie!).
Der Mann spielt Posaune und malt/zeichnet. Und er kennt sich aus.
Big laugh!


Nach den wunderbaren Konzerten im vergangenen Jahr (Trombone Shorty!) will ich natürlich auch diesmal wieder nach Burghausen, allein, weil es in der Nähe liegt und so kleinstädtisch-gemütlich ist.
Die Jazzwoche findet statt vom 13. bis 18. März, der Vorverkauf startet am 17. Januar.
Und geboten wird wieder die bewährte Mischung: ein paar Altmeister, ein paar, die so mitlaufen, gute Nachwuchs-Leute. Für mich ganz klar die Highlights in diesem Jahr: Marcus Miller (Foto), Nicholas Payton und Lee Konitz.
Wobei – die Konzerte sind ja nur ein Teil der Geschichte. Während der Jazzwoche ist ganz Burghausen auf Jazz eingestellt, man ist sehr dicht dran an den Musikern, die Dancenights sind klasse, irgendwie haben alle Spaß, das Ganze wirkt irgendwie nett zusammenimprovisiert. (Ist es natürlich nicht. Um sowas – und das seit gefühlten 100 Jahren – kontinuierlich durchzuziehen brauchts eine eingespielte Organisation, Sponsoren, Helfer, professionelles Management).
Aber schaust selbst:

DIENSTAG · 13. MÄRZ 2012 · STADTSAAL · 19 UHR · EINTRITT FREI!
Endausscheidung 4. Burghauser Europäischer Nachwuchs-Jazzpreis 2012
MITTWOCH · 14. MÄRZ 2012 · WACKERHALLE · 20 UHR
Preisträger Nachwuchs-Jazzpreis
Jazzkantine feat. Nils Landgren & Pee Wee Ellis & guests
DONNERSTAG · 15. MÄRZ 2012 · WACKERHALLE · 20 UHR
Jazz Masters All Stars: Nathan Davis · Randy Brecker · Claus Reichstaller · Amina Figerova · Abraham Laboriel · Winard Harper
Lee Konitz New Quartet
FREITAG · 16. MÄRZ 2012 · WACKERHALLE · 20 UHR
Nicholas Payton Group
Marcus Miller
FREITAG · 16. MÄRZ 2012 · GUM · 23 UHR
Dance-Night mit
DJ-Set mit weesly brothers (2bierschenreal/IchHabBock)
Liveact: Bahama Soul Club
DJ-Set mit den PHONEHEADS
Visuals: Sektion Bewegtbild
SAMSTAG · 17. MÄRZ 2012 · WACKERHALLE · 14 UHR
Ana Popovic Band
The Mannish Boys
SAMSTAG · 17. MÄRZ 2012 · WACKERHALLE · 20.00 UHR
Vana Gierig Group & Paquito D’Rivera
Dianne Reeves
SAMSTAG · 17. MÄRZ 2012 · STADTSAAL · 20.00 UHR
Tied & Tickled Trio & Billy Hart
John Hollenbeck Large Ensemble
SAMSTAG · 17. MÄRZ 2012 · AB 23 UHR · JAZZNIGHT
Peter Schneider & The Stimulators (Tempelhof)
Gismo Graf Trio (Cabaret des Grauens)
Jenny Boneja & The Ballroomshakers (Porto Cervo)
The Busquitos (Bayerischer Hof)
Boogielicious (Augustiner am Stadtplatz)
Phronesis (Jazzkeller)
SONNTAG · 18. MÄRZ 2012 · 10.30 UHR · JAZZKELLER
Jazz-Frühschoppen mit „Jazzkränzchen Immergrün“
SONNTAG · 18. MÄRZ 2012 · 16.00 UHR · STADTSAAL
NEXT GENERATION DAY mit:
Stefan Schmid exTENded
Defne Sahin
Tobias Meinhart Quartett

Da sollte was gehen.


Das ist doch mal was Praktisches: Lob, Lob, Lob für den (kostenlosen) Saxophon-Leitfaden, den Tobias Haecker (von saxophonistisches.de) und Daniel Schrägle (von reedguard.com) zusammengestellt haben und über diesen Link vertreiben.
Auf 18 Seiten haben die beiden zusammengetragen, was der Saxophon-Anfänger wissen muss/soll.
Vor allem die Basics: welches Instrument, wie kaufen, neu oder gebraucht, Zubehör, Mundstück, Blätter etc.
Und daneben auch überaus nützliche Hinweise zum Spielen in der Gruppe, wie halte ich es mit den Nachbarn sowie die eigenen Blogs und facebook-Seiten zum Thema.
Und das Beste zum Schluss:
Eine umfangreiche Liste von Sax-Lehrern quer durch die Republik – gut, da kann sich jeder eintragen lassen, aber so gibt es auf jeden Fall ein paar Anlaufadressen, und ich vermute einfach, dass keine Blindgänger darunter sind (wobei Lehrer ja ein sehr individuelles Thema sind).
Das Ganze ist kompakt und eingängig geschrieben und liest sich schnell runter, genau das Richtige, um erst mal anzufangen. Was mir fehlt, sind ein paar Empfehlungen zu den diversen Sax-Schulen und Übungs-Büchern. Es ist ja nicht jeder gleich mit einem Lehrer unterwegs.
Insgesamt: Respekt!


Zum Jahresende was Philosophisches: Sonny Rollins erzählt auf Youtube sieben Minuten lang über Jazz, sein Leben und das große Ganze.
Wurde schon im Sommer 2010 anläßlich des 80sten Geburtstages des Saxophone Colossus hochgeladen, habe ich aber erst jetzt über facebook entdeckt. Zeitlos und inspirierend und gespielt wird natürlich auch.

Und als kleine Zugabe:
Bill Clinton über Sonny Rollins am 3. Dezember 2011
(Ziemlich lang, aber auch ziemlich gut – schwer vorstellbar, dass unser Präsidenten-Darsteller sowas hinkriegen würde)

Bill Clinton Toast to Sonny Rollins
State Department Dinner, Kennedy Center Honors, December 3, 2011

There are many people in this room who could do this better than me: Jimmy Heath, Joe Lovano, Ravi Coltrane, Jim Hall. But it’s appropriate because I’m just a fan.
I discovered Sonny Rollins when I was about 15, 16—about 50 years ago. I loved jazz, and I fancied that someday I might be good enough to do it. And I bought my first Sonny Rollins LP. I listened and listened, I listened the grooves off of it. I subscribed to Down Beat magazine and I kept thinking: if I read every edition, sooner or later I will find one article that will explain to me what in the hell I just heard.
It was unbelievable, and it still is. Decade after decade after decade, this man explores the far reaches of the possibilities of what has lovingly been called the devil’s horn. His music can bend your mind, it can break your heart, and it can make you laugh out loud. Still today after all these years, if I wake up in kind of a bad humor, or I’m worried about something, if I put on Sonny Rollins’s version of “Brown Skin Girl,” I will laugh out loud. I have thought so much about his unique gifts. He has done things with improvisation that really no one has ever done. In complexity and creativity, he rivals Coltrane.
On one of the three CDs I listened to to prepare my mind for this, the Road Shows 2 album [that] has a lot of the tracks from his 80th birthday concert at the Beacon Theatre in New York—I was just aghast at how good he still is. There’s a duet which is more of a duel with Ornette Coleman, who probably has the most extreme capacity to go beyond normal chord structures and tonal assumptions of any saxophone player. So Sonny just gets right out there with him.
Then when he plays beautiful music—Another one of the CDs I listened to today was called Old Flames. I played that one because it’s a bunch of love songs that Sonny recorded in my first year as President. One of them, Duke Ellington’s beautiful “Prelude to a Kiss,” Jimmy Heath arranged and conducted. . . . It’s so beautiful.
And then I listened to The Freedom Suite, which he recorded almost 54 years ago, in February of 1958. A propos of what the former speaker said [referring to emcee Renee Fleming’s earlier remark: “He’d take a song you’d known all your life and in soaring solos of improvisation strip away the familiar and reveal new universes of wonder”], there are also, at the end of the Freedom Suite, three different takes of “Till There Was You,” and they’re all different.
This man is a marvel. He was born with a strong body and a brilliant mind and a passion for jazz. He knew when he made jazz his mistress he would never be bored, but he would never conquer. And he decided he would spend his life trying again, every single day.
At 81, he told me tonight, he said “I still practice every day.” Every day. I said, “I love that 80th birthday gig at the Beacon.” He said, “I wasn’t very good.”
Some musicians that are really good grace us because they keep playing. Sonny Rollins’s great gift to all of us, whether you know a lick about jazz or not, is that he keeps growing.
And he still does.
A few weeks ago, physicists in Switzerland at the superconductor supercollider, the Hadron Supercollider, fired some subatomic particles called neutrinos through the mountains to a magnet in the Italian Alps, and it appeared that they arrived before they left. That is, it’s the first known experiment in physics since Einstein propagated his theory of relativity where anything with matter and mass appeared to travel faster than the speed of light.
People who know a lot more about this than I do are still trying to absorb what this means and whether the experiment is accurate. But if it is, it may mean not just that we don’t know where we are and what time it is—something I often feel when I’m in Washington—it may mean that there is after all a whole fourth dimension to reality.
Long before the scientists fired the neutrinos, Sonny Rollins believed there was another dimension to reality. In jazz music, his Mark VI Selmer tenor with his old Berg-Larsen mouthpiece is our superconducting supercollider. He has given us a gift, and reminded us that whatever hand we’re given to play, we’re supposed to play it to the very end and keep growing. Thank you, my friend.


Ich bin immer noch ganz atemlos. Der Mann aus New Orleans und seine Begleit-Jungs waren schlicht der Hammer. Vor einem Jahr im Ampere waren sie schon gut, Im Frühjahr in Burghausen haben sie dort bei der Jazzwoche die Halle auseinandergenommen, aber gestern abend war besser.
Klar, sie spielen neue Stücke (die neue CD For True), sie touren  seit über einem Jahr pausenlos in der ganzen Welt rum und haben jede Menge Bühnen-Routine. Vieles kennt man auch schon. Shortys Einmarsch, die Dauerton-Nummer, das Dirigieren mit dem Rücken zum Publikum, der Instrumenten-Tausch bei der Zugabe. Alles egal. Der Druck, der von der ersten Sekunde an von der Bühne kommt, die Spielfreude, das Können aller da oben – das zählt und das war umwerfend. Auch wenn am Anfang der Ton nicht stimmte und heftig nachkorrigiert werden musste (wobei die beiden Saxophone bis zum Ende leider kaum zu hören waren).
Aber Troy Andrews (so heißt Trombone Shorty in Wirklichkeit) kann ja nicht nur sensationell Posaune und Trompete spielen, er hat auch eine Stimme, er kann sich bewegen und auch ans Publikum ranschmeißen. Und er ist erst 25. Da wird noch richtig viel kommen.
Zu den Details gestern will ich gar nicht viel schreiben, lieber ein paar Bilder abladen, die vielleicht einen Eindruck von der Stimmung geben (auch wenn ich nur die Billig-Digi dabei hatte). Eine Sache nur: Bei der zweiten Zugabe räumten sie die Mikros weg und bauten sich als BrassBand vorn an der Bühne auf. Bläser, Trommel, Percussion. Und spielten „When the saints“. Das war einfach nur groß. Trombone Shorty weiß genau, wo er herkommt und was seine Wurzeln sind. Und auch wenn er sonst mit „Supafunkrock“ steil geht, kommt er immer auf diese uralten Sachen zurück. Klar, dass die Band auch die perfekt und funkig drauf hat.
Und als alles vorbei ist, steht die ganze Truppe doch wirklich noch lange am Merchandising-Stand und signiert, verkauft und quatscht mit den Leuten. Macht auch nicht jeder.






Heute (7. 12.) um 20 Uhr in der Muffathalle: Ich freu mich drauf wie blöd.
Die letzten Konzerte in Karlsruhe, Erlangen, Bremen und Köln müssen gigantisch gewesen sein, jedenfalls, wenn man den Facebook-Kommentaren glauben will (auch wenn da natürlich eher die Fans schreiben).
Und hier noch ein schöner link zum Einstimmen: ER mit Band live in Paris.
http://www.off.tv/?post_type=video&p=3286#/video_3286_off-live-trombone-shorty-5


Es war nur eine Kleinigkeit am Frühstückstisch. Auf der Service-Seite der Süddeutschen, wo die ganzen Tagestermine aufgelistet sind, fällt mir unter Jazz/Pop/Party „Mittagsmusik“ auf. „Die Jazz-Saxophonklasse stellt sich vor. Eintritt frei, 13.15 h Gasteig.“ Da das um die Ecke ist und ich sowieso in die Bücherei dort will, denke ich: das nimmste mit.

Ich bin also kurz nach eins da, mit mir ein paar andere Besucher, der ganze ziemlich unterkühlte Raum eher spärlich besetzt, aber egal. Pünktlich marschieren sieben Saxophon-Studenten und ihr Chef, Prof. Leszek Zadlo, ein. Und bei einer Frau denke ich gleich: Die Welt ist klein, die kenn ich doch. Und, klar, Stephanie Lottermoser ist mit dabei. Das spricht ja schon mal für Qualität und so wars dann auch.

Es fing an mit einem gemeinsamen Wayne Shorter Stück (Arrangement Bob Mintzer – der schon wieder!), dann mussten alle raus und einzeln auf die Bühne (bis auf die Bariton- und die zweite Tenor-Frau, keine Ahnung, warum). Also: Fünf mal Solo, jede(r) mit einem Stück seiner/ihrer Wahl, und das war richtig spannend zu sehen und zu hören.

Die können alle spielen, die haben alle einen guten Sound, aber so direkt nacheinander merke ich auch die Unterschiede. Wer sicherer und unsicherer ist, wer sich wie auf der Bühne bewegt, wer ehr ruhig dasteht und wer mehr rumzappelt, wer souverän mit der Rhythmusgruppe umgeht und wer seinen Einsatz fast verpasst.

Aber das bewegt sich auf einem Niveau, dass ich denke, die könnten alle im Vogler auftreten und einen guten Set abliefern. Frau Lottermoser hat genau das ja schon öfter gemacht, und das war natürlich gleich zu spüren. Sie ist Publikum gewöhnt, sie ist extrem präsent, sie spielt ein schönes, warmes, kraftvolles Tenor.

Und dann war da noch der Professor, der zwar manchmal Probleme mit den Namen seiner Studenten hatte, aber das durch einen knuffigen Tschechen-Akzent und freundliche Ein- und Ausführungen locker wettmachte, und eine saucoole Rhythmusgruppe (Schlagzeug, Bass, Klavier) mit einem Pianisten, der auf den Tasten alles zeigte, aber ansonsten in weit entfernten Universen zu schweben schien.

Am Ende gab’s wieder Wayne Shorter von allen zusammen, und das Ganze war eine richtig gelungene Saxophon-Stunde.




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