Review: Ulf Wakenius und Vincent Peirani in der Unterfahrt

13Feb12

Zwar kein gutes Foto (weil mit dem Billig-Handy aufgenommen), aber ein Dokument: für eins der besten Konzerte, die ich je in der Unterfahrt gehört habe. Ulf Wakenius, schwedischer Gitarrist und der Pariser Akkordeonspieler Vincent Peirani hatten eine großen Auftritt.
Es war leise, es war melodiös, charmant, ergreifend und ungeheuer intensiv, was die beiden Virtuosen auf die Bühne brachten. Rein äußerlich passen sie schon mal gar nicht zusammen: Peirani schlacksig, etwa zwei Meter hoch, Hippie-Style und Ulf Wakenius, Gitarren-Legende, einen Kopf kleiner, charming, bulliger, älter, Baseball-Kappe. Aber musikalisch passt das hundertprozentig. Ich habe noch nie zwei  Leute so perfekt zusammenspielen gehört. Es gibt sehr sehr leise Passagen, in denen das Publikum extrem aufmerksam lauscht und bei denen jede Unsauberkeit sofort aufgefallen wäre. Aber die kommen nicht vor. Es ist einfach perfekt.
Unsauber wird es höchstens bei Ulfs Solo-Läufen, wenn die Technik nicht so will wie er, oder wenn die Wasserflasche, mit der er seine Saiten bearbeitete, weg ins Publikum rutscht.
Machte nichts, die Flasche wird zurück gereicht und weiter geht’s.
Aber der eigentliche Star des Abends ist der Akkordeon-Spieler. Vincent Peirani ist cool, gelassen und unglaublich virtuos. Ich hätte nie gedacht, dass Akkordeon so ein überwältigendes Instrument ist. Peirani beherrscht es wirklich. Das hört man speziell an den leisen, langsamen Tönen, wenn er gar nicht viel macht, aber dass umso intensiver.
Natürlich kann Ulf Wakenius alles auf der Gitarre. Natürlich zeigt er das. Natürlich jubelt das Publikum in der sehr gut gefüllten Unterfahrt. Aber den wirklichen Applaus staubt der Franzose ab – und das zu Recht.
Ein besonderes Zuckerl die erste Zugabe: Stevie Wonders “Isn’t she lovely”, von Peirani dargeboten auf der Accordina – einer größeren und komplizierteren Mundharmonika. Ganz, ganz groß.
Als alles vorbei ist, kaufe ich mir sogar die CD von den beiden (zusammen mit Bassist Lars Danielsson und Sänge Youn Sun Nah), was ich sonst nie tue.
Beseelte Heimfahrt mit dem Radl durch die Kälte. Richtig schöner Abend. Grazie Siggi Loch.



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