Jazzdiskussion, die nächste: Thomas Vogler (Jazzbar Vogler) meldet sich zu Wort und teilt sauber aus
Der Mann ist einfach gut. Thomas Vogler betreibt im Alleingang seit 1997 in der Münchner Rumfordstraße die Jazzbar Vogler, stellt unter nicht immer einfachen Bedingungen Woche für Woche ein möglichst anspruchsvolles Programm auf die Bühne und legt sich ausführlich und pointiert mit der GEMA an. Und wenn es nötig oder ihm danach ist, äußert er sich in seinem wöchentlichen Newsletter zu Themen, die ihn umtreiben (das muss nicht immer die Musik sein – ich erinnere mich an Kommentare zu den Vorgängen in der Klosterschule Ettal).
Im aktuellen newsletter vom 24. Februar greift er den Musikjournalisten Ssirus W. Pakzad im Zusammenhang mit dessen Beitrag zur Jazzdiskussion und zu Michael Hornstein frontal an. Und weil das so auf den Punkt ist und für sich selbst spricht, hier der Text im Wortlaut (mit Einverständnis von Thomas Vogler):
„Heute schon die Kniekehle penetriert?!“ *
Oder auch: Die Verrohung der Sitten in der Münchner Jazz-Szene
Ssirus W. Pakzad ist Journalist. Unter anderem für den „Bayerischen Rundfunk“, die „Abendzeitung“, „Jazzzeitung“, „jazzthing“, „Neue Musikzeitung“ etc. In der letzten Ausgabe der „in-muenchen“ vom 9. Februar 2o12 hat er in seiner Rubrik „Jazz Notes“ folgenden Beitrag über Michael Hornsteins Gastbeitrag „Betriebsstörung – Der Jazz hat in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz mehr. Die Ursachen dafür sind selbstgemacht“ in der SZ vom 21./22. Januar 2o12 geschrieben (sh. auch Newsletter 387): „Alles ist relevant. Wer die Süddeutsche Zeitung zuletzt regelmäßig gelesen hat, musste fast den Eindruck gewinnen, man habe sich im Feuilleton dieser so geachteten Publikation darauf verständigt, eine Debatte über den Jazz vom Zaun zu brechen, oder vielleicht sogar eine Kampagne gegen diese Musik zu fahren. Drei längere Stücke wurden ins Blatt gehoben. Über zwei davon hätte sich immerhin diskutieren lassen. Der dritte Beitrag aber war ein unerträglich dämlicher Artikel, der „Betriebsstörung“ übertitelt war und die gesellschaftliche Relevanz des Jazz in Deutschland in Frage stellte. Gibt es eigentlich noch Redakteure, die ihrer Aufgabe gerecht werden und Faktenchecks betreiben? Den Beitrag jedenfalls, der am 21. Januar gedruckt wurde, hätte ein kundiger Verantwortlicher sicher zu verhindern gewusst, denn der Dreispalter wärmte nicht nur alte Klischees auf, er strotzte vor Fehlern und stellte lauter Behauptungen auf, die zu widerlegen ein Kinderleichtes ist. Dem Autor, einem hier ansässigen Musiker, war in seinen vom Leser entweder höhnisch belachten oder genervt aufgenommenen Zeilen offensichtlich das Bejammern der eigenen Situation oberstes Anliegen. Keine Rundfunkjobs mehr? Da gibt es nur eines: Üben, üben, üben. Manchmal aber hilft auch das nicht mehr. Die nicht abebbenden Pausengespräche in hiesigen Jazzkonzerten vermitteln jedenfalls den Eindruck, dass, immerhin etwas Positives, ausnahmsweise fast alle einer Meinung sind: Da hat einer tüchtig die eigene Kniekehle penetriert.*“ (Ssirus W. Pakzad)
„Da hat einer tüchtig die eigene Kniekehle penetriert“* ist der Tiefpunkt einer „Diskussion“ über „den Jazz“. Es darf nicht sein, dass innerhalb der kleinen Münchner Jazz-Szene, in der jeder jeden kennt, über einen Einzelnen öffentlich so hergezogen wird wie Pakzad es tut. Was für eine Respektlosigkeit muss in der Szene untereinander herrschen, wenn „ausnahmsweise fast alle einer Meinung sind: Da hat einer tüchtig die eigene Kniekehle penetriert.*“ Weil er seine Meinung geäußert hat? Und: Es ist mir völlig schleierhaft, warum das „in-münchen“ so einen Beitrag von Pakzad zulässt.
Der Artikel Pakzads verletzt nicht nur alle Regeln journalistischen Anstands, er ist auch redaktionell ein Desaster. Beispiele?! „Gibt es eigentlich noch Redakteure, die ihrer Aufgabe gerecht werden und
Faktenchecks betreiben?“ frägt Pakzad, diskreditiert so nebenbei seine eigene Zunft und zitiert als einzige „Behauptung“ aus Hornsteins SZ-Artikel: „Keine Rundfunkjobs mehr? Da gibt es nur eines: Üben, üben, üben. Manchmal aber hilft auch das nicht mehr.“ Unabhängig davon, dass dieser „Rat“ einem profilierten Musiker gegenüber eine Unverschämtheit ist: Keine Rundfunkjobs mehr?! Das hat Hornstein nicht geschrieben. Sondern: Der organisatorische Aufwand, Rundfunkmitschnitte zu erhalten, werde für einen Musiker immer größer. Oder: „Ein kundiger Verantwortlicher (bei der SZ) (hätte Hornsteins Gastbeitrag) sicher zu verhindern gewusst“ – was will uns Pakzad damit eigentlich sagen?! Meinungsfreiheit gilt hier nicht?!
Pakzad schreibt: „er (Hornsteins Artikel) strotzte vor Fehlern und stellte lauter Behauptungen auf, die zu widerlegen ein Kinderleichtes ist“. Journalistisch korrekt wäre nun gewesen, Hornsteins „Fehler und Behauptungen“ zu analysieren – und, wenn nötig, zu widerlegen. Alles andere ist Stammtisch-Populismus unterster Kategorie und es stellt sich die Frage: Wer muss hier „Üben, üben, üben“?! „Ausnahmsweise fast alle einer Meinung“?! Welchen Claqueuren Ihrer Pausengespräche möchten Sie mit so einem „Artikel“ dienen?! Was wollen Sie mit diesem „Artikel“ eigentlich erreichen?!
Das ganze ist eigentlich nur eins: Traurig. Für den Jazz. Und für diese Szene. Das einzig Positive: Es kann nur besser werden.
In diesem Sinne, optimistisch wie immer, Euer Vogler
Mehr Informationen unter: http://www.jazzbar-vogler.com/jazz-stinkt-schon.html
* Da müssen Sie jetzt durch: Sie wissen es vielleicht, ich wusste es nicht: Was heisst eigentlich: „Da hat einer tüchtig die eigene Kniekehle penetriert“?! Der Begriff „die Kniekehle penetrieren“ ist eine Sexualpraktik, die als „albanische Stellung“ bezeichnet wird. Den Rest können Sie selber googeln. „Die eigene Kniekehle penetrieren“ ist demnach aber bei heterosexuellen Männern nur unter Zuhilfenahme eines homosexuellen Mannes oder eines adäquaten Hilfsmittels möglich. – Pakzad begibt sich hier auf ein äußerst dünnes Eis …
Respekt! Das ist mal Klartext.
Und was Thomas Vogler von manchen Musikern und deren Selbstverständnis hält, hat er schon Anfang dieses Monats ähnlich deutlich hier beschrieben.
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Schlagworte: Jazzbar Vogler, Thomas Vogler
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